Test gegen Weißrussland offenbart Defizite
Er wolle noch die Eindrücke aus dem Testspiel gegen Weißrussland abwarten, bevor er seinen Kader benennt, sagte Bundestrainer Joachim Löw im Vorfeld der Partie in Kaiserslautern. Das ernüchternde 2:2 gegen die vom ehemaligen DDR-Auswahltrainer Bernd Stange betreuten Weißrussen, hat dann auch einige Erkenntnisse und ebenso viele Defizite offenbart. Löw wechselte munter durch, um möglichst vielen Akteuren die Gelegenheit zu geben, sich noch einmal zu zeigen. Richtig zu überzeugen wusste aber keiner der Spieler.
Nach dem 1:0 durch Miroslav Klose aus abseitsverdächtiger Position (10.) und einem Eigentor von Wladimir Korytko (20.) führte die deutsche Elf bereits früh und wiegte sich in Sicherheit. In der Folge nahmen Jogis Mannen das Tempo aus der Partie und ermöglichten so den keineswegs Furcht einflößenden Weißrussen wieder ins Spiel zu finden. Und diese bedankten sich für die deutschen Nachlässigkeiten in Person von Vitali Bulyga, dem es in der 61. Minute gelang, Jens Lehmann nach 681 Länderspiel-Minuten erstmals wieder zu überwinden. Kurz vor Schluss erzielte Bulyga sogar noch den Ausgleich (88.). Die deutsche Abwehr und insbesondere Christoph Metzelder wackelten bisweilen bedenklich. Auch Torwart Lehmann machte nicht immer den sichersten Eindruck. Vom Anpfiff an strahlte er nicht die gewohnte Ruhe und Souveränität aus und sah auch bei den beiden Gegentoren nicht gerade glücklich aus. Zwar zeigte er auch die eine oder andere Klasseparade, aber die fehlende Spielpraxis war ihm an diesem Abend im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion deutlich anzumerken. Vorne erspielte sich die Mannschaft auch nach der Führung gute Torchancen, die sie aber nicht in Zählbares ummünzen konnte.
Nach der Pause wechselte der Bundestrainer kräftig durch, was zu einem Bruch im deutschen Spiel führte. Zwar kam die Elf auch weiterhin zu guten Gelegenheiten, aber oftmals fehlte die Präzision und die letzte Konsequenz. Gerade die agilen Joker Helmes und Trochowski vergaben in der zweiten Hälfte mehrfach aus aussichtsreicher Position. Oftmals schien die Konzentration zu fehlen, aber auch das Training steckte den Auswahlkickern in den Knochen. „Man hat gemerkt, dass die Spieler nach den harten Trainingseinheiten noch müde waren“, verwies der Bundestrainer auf die Strapazen des Trainingslagers auf Mallorca. “Wir haben schon lange nicht mehr so gelitten”, bestätigt auch Christoph Metzelder.
Nach der mäßigen Vorstellung in Kaiserslautern versprach Löw: “In zwölf Tagen werden alle Spieler in einer besseren Form sein”.
Man kann nur hoffen, dass er Recht behält, denn eine deutliche Leistungssteigerung scheint zwingend erforderlich, wenn man die miserable EM-Bilanz der letzten Jahre aufbessern möchte. Schließlich hat die deutsche Nationalmannschaft seit dem Triumph bei der Euro´96 in England kein Spiel bei einer kontinentalen Endrunde mehr gewinnen können.
Text: Peer Berholter
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